Domschatz
Der Schatz des Domes
Die Kunstwerke der Domkammer Münster

In der Domkammer sind Kostbarkeiten sakraler Kunst von der Zeit der Karolinger (um 800 bis ins 20. Jahrhundert) ausgestellt. Auf drei Geschossen veranschaulichen über 700 Exponate unterschiedlicher Gattungen die wechselvolle Geschichte der Liturgie und Kunst des Domes. Dabei gehört die Domkammer mit ihren reichhaltigen Beständen der Goldschmiede- und Textilkunst aus Romanik, Gotik und Barock zu den Schatzkammern von internationalem Rang.

Das Herzstück der Ausstellung bildet der aus dem Mittelalter weitgehend erhaltene Reliquienschatz des Domes, der in über 50 kostbaren Reliquiaren, die sich ehemals im Hochaltar befanden, im Erdgeschoß der Domkammer präsentiert wird. Das um 1260 entstandene Vortragekreuz des Domkapitels, das als Gemmenkreuz gestaltet ist und Christus als Sieger über den Tod darstellt, steht im Zentrum des Raumes. Von den Reliquiaren zählt der goldene Pauluskopf aus der Zeit um 1050 nicht nur zu den ältesten Reliquienbehältnissen des Domes, sondern es handelt sich auch um das älteste erhaltene, ganz in Gold gefertigte Kopfreliquiar der abendländischen Kunst. Zu den Meisterleistungen der Goldschmiedekunst der Romanik in Westfalen gehört das um 1090 entstandene Reliquienkreuz, das mit Edelsteinen in beziehungsreicher Farbigkeit, Perlen und Goldfiligran kostbar geschmückt ist. Drei fein ausgeführte Armreliquiare und das außergewöhnliche Kokosnußreliquiar mit einer bekrönenden iranischen Bergkristallfigur in Gestalt eines Lammes mit der Friedensfahne sind der Spätromanik zuzuordnen. Bei dem Kokosnußreliquiar handelt es sich um das älteste erhaltene Exemplar seiner Art. Hinzu kommt das Weibermachtreliquiar mit seinem interessanten Bildprogramm.

Die Umfassung des Raumes wir geprägt von gotischen Skulpturen und Teilen des um 1536 (42) entstandenen Lettners des Domes und den Chorschrankenreliefs mit der Darstellung der vier sogenannten Marschälle des Bistums Münster und mit den Szenen der Kreuzaufrichtung und Kreuzabnahme (1702-1706). Sie veranschaulichen zusammen mit den Reliquiaren den Hochchor als herausgehobenen liturgischen Ort innerhalb der Kathedrale. Außen an den Chorschranken war ursprünglich ein Gemäldezyklus der Propheten und Sibyllen von Hermann tom Ring aus der Zeit um 1570 angebracht, der nun hier in diesem Raum aufgestellt ist.

Kostbare Messgewänder und liturgisches Gerät werden im Untergeschoß präsentiert. Hier ist ein reicher Bestand an Gewändern des Mittelalters und des Barock versammelt. Besonders hervorzuheben sind zwei Kaseln (Messgewänder) des 14. Jahrhunderts und die Gewänder der Spätgotik, die auf italienischem Seiden-Samt- und Goldbrokat hergestellt und mit Borten der Kölner Werkstätten oder südniederländischen Borten verziert wurden. Den weiteren textilen Schwerpunkt bilden umfangreiche Stiftungen von Paramenten in kostbarem Seiden- und Goldbrokat aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die in römischen, österreichischen und französischen Paramentenwerkstätten angefertigt wurden. Darunter befinden sich Kaseln aus Goldbrokat als Stiftung der Kaiserin Maria Theresia, deren Sohn Maximilian Franz von Österreich, der von 1784 bis 1801 Fürstbischof von Münster war, sowie Stiftungen seiner beiden Schwestern Maria Christina und Marie Antoinette, der Königin von Frankreich.

Zentrum des Raumes ist ein Tragaltar aus der Zeit um 1200, der mit Perlstickereien und Silberreliefs reich verziert ist. Fein ausgeführte Aquamanile zur liturgischen Handwaschung des Priesters in Form eines Löwen und eines Hundes bilden die frühesten liturgischen Geräte aus der Zeit der Romanik. Aus den folgenden Jahrhunderten sind ebenso bedeutende Werke zu sehen: ein Altarkreuz aus Limoger Werkstätten des 13. Jahrhunderts, die reich gestaltete, bis heute benutzte gotische Dommonstranz des Domes, das herausragende hochbarocke Silberkreuz des Hamburger Goldschmieds Jürgen Richels, zahlreiche Kelche und Ziborien sowie liturgische Bücher und bischöfliche Insignien wie Brustkreuze und Bischofsstäbe aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Romanische Architekturfragmente und Bildwerke von der Romanik bis zur Kunst der Nazarener, aber auch wertvolle Altartafeln und weitere Gemälde veranschaulichen im Obergeschoss die Kunstgeschichte und wechselvolle Ausstattung des Domes.